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Wenn man nun den Übergang zu einem professionellen Kampfkunst/-sportlehrer aufbaut, so wird man unweigerlich feststellen, dass genau wie in einem normalen Unternehmen, die Chefposition eine Führungsposition ist. Jemand mit diesem Anspruch muss, um diese auch erfolgreich ausfüllen zu können, Mindestkompetenzen mitbringen. Diese müssen gesichert sein, noch bevor er seine neue Aufgabe beginnt.

Einige Beispiele für solche Mindestkompetenzen sind: Marketingkenntnisse, kaufmännisches Denken und Handeln, im Falle des internationalen Arbeitens - Fremdsprache(n)-, unternehmerisches Denken, Lernfähigkeit, Teamfähigkeit, Kommunikationsfähigkeit, Motivationsfähigkeit, soziale Kompetenz, usw...

Betrachtet man diese Kompetenzen genau, dann wird man feststellen, dass diese auf keinen Fall durch reines Kampfkunst/-sporttraining vermittelt werden können, da in den sog. 'Traditionen' der Kampfkünste, die teilweise aufs akribischste gepflegt werden, diese Kompetenzen nie entwickelt bzw. gebraucht wurden. Verlässt man sich also ganz auf die Annahme der Traditionen als Garant für einen Erfolg, dann wird es passieren, dass der Erfolg langfristig ausbleibt.
Zur Aneignung o.g. Kompetenzen bedarf es einer intensiven Ausbildung. Die Vermittlung dieser Ausbildung bedarf wiederum einer finanziellen und zeitgemäßen Investition. Vergleichbar ist dies mit dem Studium eines Betriebswirtschaftlers, der zusätzlich noch seine kampftechnischen Fähigkeiten weiter ausbauen muss.

Weiterhin ist auch zu überlegen, ob in der heutigen Zeit, in der westlichen Welt diese Investition in diese wie oben erwähnt, nicht anerkannte Berufstätigkeit eine Absicherung darstellt.
Fragen wie: Kann ich mit diesem Beruf meine Rente sichern?
Kann ich mir damit eine vernünftige Krankenversicherung leisten?
Kann ich damit meine Zukunft sichern oder gar eine Familie ernähren?
Diese Fragen....und weitere muss man sich stellen um eine realistische Chance abwägen zu können, um nicht schon vor dem Beginn hinten rüber zu fallen... Viele, die heutzutage Kampfkunst/-sportschule(n) leiten haben mittlerweile die Erfahrung gemacht, dass eine Professionalität aus der Hobbytätigkeit heraus sich als Trugschluss und Fehlentscheidung entpuppte. Warum?

Machen wir einmal eine grobe Kalkulation der monatlichen Kosten auf, die entstehen, wenn man mit dem Anspruch des Profis arbeitet:

Monatliche Kalkulation:

1. Der Posten Miete bezieht sich auf einen ca. 200m² Raum exkl. Nebenkosten in einer Stadt mit     mittlerem Mietniveau, kein Stadtkern. Ansonsten erhöht sich dieser Posten noch weiter.
2. Umsatz- und Einkommensteuer

 Ledig  Familie/ ein Kind
 Miete [1]  800  800
 Nebenkosten  300  300
 Werbung  300  300
 Krankenversicherung  400  600
 Rentenversicherung  400  500
 Eigengehalt  1500  2200
 Steuern [2]  1500  1300
 Zwischensumme  5200  6100

In der obigen groben Aufstellung ist noch keine Rücklage für schlechte Zeiten, Fortbildung jeglicher Art sowie Zahlungsausfälle eingerechnet. Geht man hin, und schlägt hier pauschal auf beide Zwischensummen je 2000 EUR auf um alles abzudecken, so erhält man im Falle des ledigen 7200 EUR und des Familienvaters 8100 EUR an monatlichen Kosten.
Urlaubsgeld, Auto und sonstige Nebenkosten müssen vom Eigengehalt abgegolten werden, oder die Rechnung weiter nach oben veranlagt werden. Teilt man nun diese Beträge durch einen durchschnittlichen Monatsbeitrag von 35 EUR, so muss der Ledige mindestens 205 und der Familienvater 240 konstant zahlende Schüler in seiner Schule haben. Das heißt: Tatsächlich müssen 350 Schüler angemeldet sein, weil man heute aus Erfahrung weiß, dass davon ca. ein Drittel an Zahlungsausfall einzurechnen sind.
Betrachtet man sich nun die heutigen Chancen, in einer Stadt mit mittlerem Niveau eine Schülerschaft von nahezu 350 aufbauen zu können, dann sind die Chancen sehr gering, dies über einen Zeitraum von mehr als 30 Jahren konstant zu halten. Die Zielgruppe für Kampfsport findet unterschiedlichste Angebote vor Ort, wie auch generell andere Freizeitangebote, welche die Chancen einschränken und keine langfristigen Sicherheiten zulassen. Daraus folgernd muss man sich über mehrere Orte ausdehnen, was aber höhere Raumkosten beinhaltet, da man in jedem Ort eine Räumlichkeit unterhalten muss, um vor Ort präsent sein zu können. Zusätzlich entstehen Personalkosten in Form von eingesetzten Ausbildern, da man zeitlich nicht in der Lage ist, überall und gleichzeitig vor Ort zu sein.

Soll diese Rechnung jetzt demotivieren? Ganz und gar nicht, sie soll lediglich davor warnen, die Tätigkeit des professionellen Kampfkunst/-sportlehrers blauäugig aufzunehmen, um dann im höheren Alter festzustellen, dass ein anderer, sicherer Weg besser gewesen wäre!